Ehem. Gasthof zum weißen Schwanen Thurnau - Ausschnitt Luftbild: Ingo Bäerlein - www.FrankenAIR.de

Der „Weiße Schwanen“ – 261 Jahre lang ein Ort der Gastlichkeit

Schaufenster der Druckerei Waldhier (Foto: Erich Olbrich)
Schaufenster der Druckerei Waldhier (Foto: Erich Olbrich)

Freilich, das imposante Gebäude an der Einmündung von der Bahnhofsstraße in die Kulmbacher Straße ist schon lange kein Wirtshaus mehr.
Die Thurnauer kannten es vor allem als Schreibwarenladen, in dem man Schulbedarf, Papier, Zeitschriften, Ansichtskarten, die unterschiedlichsten Schreibutensilien und auch Bücher kaufen konnte. Angegliedert war eine kleine Druckerei.


Lange Zeit war es in Thurnau der Herrschaft vorbehalten Bier zu brauen und auszuschenken. Als ältestes Wirtshaus im Markt hat deswegen die „alte Schenck“ zu gelten, ein großes dem Oberen Schloßtor gegenüber gelegenes Fachwerkgebäude, das 1980 ausbrannte und danach aus dem Ortsbild verschwand.

Ältestes Wirtshaus „alte Schenck“, brannte 1980 aus und verschwand danach aus dem Ortsbild Thurnaus.
Ältestes Wirtshaus „alte Schenck“, brannte 1980 aus und verschwand danach aus dem Ortsbild Thurnaus.

1617 verzichteten die Herren von Künßberg und von Giech auf ihre Bierproduktion und den Ausschank und überließen es den Thurnauer Bürgern, ihren Bedarf an Bier selbst zu brauen und dieses in ihren Häusern auszuschenken. Zum Feiern von Festen mussten dennoch die örtlichen Wirtshäuser aufgesucht werden, denn nur dort standen entsprechend große Räumlichkeiten zur Verfügung. Auch Fremde durften nur in dazu privilegierten Gasthäusern übernachten und mit Speisen bewirtet werden.

Das Wirtshaus „Zum weißen Schwanen“ gehörte einst nicht der adeligen Herrschaft, sondern wurde vom Pfarrer in Berndorf als Lehen vergeben. Im Lehen- und Zinsbuch der Pfarrei Berndorf von 1614 findet das „Schwanen-Wirths-Hauß zu Thurnau“ seine erste Erwähnung. Damit kann es als das zweitälteste Wirtshaus in Thurnau gelten. 1732 erwarb der Schwanenwirt Georg Retsch einige wichtige neue Rechte für sein Gasthaus. Er durfte jetzt nicht nur Gerste zu Malz verarbeiten und brauen, sondern auch Wein und selbst gebrannten Brantwein ausschenken, sowie Rinder und Schweine schlachten, um deren Fleisch „im Wirtshaus zu verspeisen“. Bier und Wein durfte er auch „über die Gasse“, das Bier sogar „fässerweis auf das Land hinaus zu Hochzeiten, Kindstaufen und Begräbnissen“ verkaufen.

Lange Zeit gab es in Thurnau nur zwei Wirtshäuser, den „Weißen Schwanen“ und den um 1730 gegründeten „Goldenen Anker“ (Oberer Markt 3). Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts kamen noch die „Goldene Krone“ (Jägerstraße 1) und der „Goldene Adler“ (Bahnhofstraße 3) hinzu.

Bis 1875 – also 261 Jahre lang – war der „Schwanen“ ein Ort der Gastlichkeit, dann verzichtete der Privatier Bergmann auf die Gastwirtschaftskonzession. Er war als Kaufmann in Java reich geworden und zurück in seine Heimat Thurnau gekommen, um hier seinen Reichtum zu genießen.

Quellen:

  • Uta von Pezold: Vom Schwanenwirtshaus an der Kulmbacher Straße, in: Thurnauer Land – heimatkundliche Zeitschrift für das Gebiet der ehemaligen Herrschaft Thurnau, Heft 3, Kulmbach 2025, S. 33 – 40
  • Staatsarchiv Bamberg, G 65 A 6899, Mappe Nr. 189: Brauerei und Schankgerechtigkeit
  • Harald Stark: Quellen zur Häusergeschichte des Marktes Thurnau, Kulmbacher Straße 2, Gasthof zum Weißen Schwanen.

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